Bleifrei Top oder Flop?

Immer wieder bereiten uns Abschüsse mit bleifreier Munition Kopfschmerzen und unseren Wildtieren unnötige Schmerzen und Qualen. Dies konnten wir jetzt schon unzählige Male erleben. Hier eine vor kurzem erlebte Geschichte aus der Praxis.Ein wirklich erfahrener Jäger beschoss einen Rehbock auf etwa 50 Meter mit dem Kaliber 9,3 x 62 Barns bleifrei.

Der Bock sprang ohne zu zeichnen ab, der Schütze kontrollierte vorsichtig den Anschuss, er war sich seiner Kugel ziemlich sicher. Im Anschussbereich fand er ein zirka fünf Millimeter großes Stück Lunge, daraufhin versuchte er der Fluchtfährte zu folgen, es war aber nichts mehr zu finden. So sehr er sich bemühte, auch Bögen schlagen brachte nichts, es ging einfach nicht mehr weiter. Außer dem Lungenstück war kein einziger Tropfen Schweiß zu finden. Daraufhin beschloss er die Nachsuchenprofis zu rufen. Noch am selben Abend wurde ein Termin für den nächsten frühen Morgen vereinbart. Über Nacht gab es etwa fünf Millimeter Niederschlag. Am Anschuss konnten wir leider das Lungenstück nicht mehr finden, aber dafür fanden wir noch einen Tropfen Schweiß und ein wenig Schnitthaar.

Der Hannoversche Schweißhund nahm die Fährte an, tat sich aber schwer diese zu halten, nur langsam ging es vorwärts. Nach rund 400 Metern Riemenarbeit konnten wir ein Stück Rehwild in einer Kiefernkrone gedrückt liegen sehen. In diesem Moment sprang das Stück auf und die wilde Hatz begann, nach weiteren 500 Metern konnte der wildscharfe HS das Stück Rehwild greifen und niederziehen. Nach Besichtigung des Stückes war eindeutig klar, der Jäger hatte die Kugel ausgezeichnet platziert, aber das Geschoss hatte versagt und eine katastrophale Arbeit verrichtet. Wir haben generell nichts gegen bleifreie Geschosse, aber es sollte nicht zu Lasten unserer Wildtiere gehen. Bleifrei gerne, wenn es funktioniert – das können wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrung auch bei besten Treffern aber nicht behaupten.

Buchtipp

Hier finden Sie unser aktuelles Buch (auch als E-Book erhältlich!):

https://www.blvverlag.de/julia-numssen-chris-balke/nachsuchen-wie-die-profis.html

Schweißhund­station

Chris Balke
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Nachsuche erklärt

Als Nachsuche (auch Schweißarbeit oder Fährtenarbeit) wird im Waidwerk das Verfolgen, Auffinden und Zurstreckebringen (Erlegen) von verletztem, meist angefahrenes oder angeschossenes Wild durch einen Hundeführer und seinen Hund bezeichnet.